Wo die Bewegungen entstehen

Aus Kölner-Stadtanzeiger

18. Dezember 2006

Bensberg – Gerade sind die fünf Mädchen noch wild durch den Trainingsraum getobt, jetzt lauschen sie konzentriert den Anweisungen von Petra Krüger: „Stellt euch vor, der Raum sei ein Teller, der auf einem Stab steht. Wir müssen jetzt aufpassen, dass er nicht vom Stab herunterfällt. Ihr müsst euch also immer gleichmäßig im Raum verteilen.“ Vorsichtig bewegen sich die fünf Mädchen durch den Raum, um bloß den Teller nicht vom Stab zu stoßen.

Beim kreativen Tanz ist nicht nur Körpergefühl, sondern auch Vorstellungskraft gefragt. Seit 1991 unterrichtet Krüger in der von ihr gegründeten „Tanzetage“ in Bensberg kreativen und modernen Tanz. Das Konzept hat Erfolg. Einige ihrer Schüler kommen schon seit vielen Jahren zu ihr. „Ich will Tanz und Ausdruck vermitteln, aber ohne Leistungsdruck. Die Kinder haben schon so genug Prüfungen. Meine Stunden sind nicht unbedingt still. Ich will die Lebendigkeit meiner Schüler spüren“, erklärt Krüger. Für sie gibt es kein gut oder schlecht. „Jeder kann tanzen“, ist sie überzeugt.

Im Zentrum ihres Unterrichts steht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Genau erklärt sie ihren Schülern, wo welche Bewegung entsteht: Wie stehen die Füße, wohin zeigen die Knie, woher nimmt der Körper den Schwung? In der Ecke des Tanzsaals steht ein Bildatlas „Der menschliche Körper“. Bei Bedarf wird er herausgeholt, um zu verdeutlichen, welcher Muskel eine Bewegung ausführt. Wichtig ist Krüger ihre Unabhängigkeit: „Ich will nicht unterrichten müssen, was andere für richtig halten.“

Mittlerweile hat Krüger das Angebot der Tanzschule ausgeweitet. Neben kreativem Tanz, tänzerischer Früherziehung und Jazztanz werden Hip-Hop, Modern Dance und eine Choreografie-Klasse angeboten. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Gymnastik. Seit zwei Jahren erweitert Monika Eckstein, eine ehemalige Schülerin von Krüger, das Angebot des Studios durch Kurse in Pilates und Rückenfitness. Auch Yoga und Tai Chi sind Teil des Trainingsplans. „Ich bin ganz froh, dass der Fitnesstrend in letzter Zeit weg von Aerobic hin zu Entspannung geht“, freut sich Eckstein.

Gerne würde die Motopädin mehr Männer in ihren Kursen begrüßen. Der Versuch, einen Kurs nur für Männer anzubieten, scheiterte zunächst. Aber Eckstein gibt so schnell nicht auf. Sie ist überzeugt, dass viele Männer gerade Rückengymnastik gut gebrauchen könnten. „Es geht dabei ja nicht darum, wie es aussieht.“ Bewegung sei nicht gleichförmig. „Jeder führt die Übungen entsprechend seiner körperlichen Voraussetzung aus. Wichtig ist der positive Effekt des Trainings.“

Den fühlen die fortgeschrittenen Schülerinnen im kreativen Tanz ganz genau. Besonders schön findet Melanie (9), dass die Schüler auch selbst Ideen äußern dürfen. Gerade arbeiten alle zusammen an der Choreografie für die Aufführung der Schule im nächsten März. Gemeinsam wird überlegt, welcher Schritt wo passt. Als Requisiten benutzen sie große Kissen. Die Idee entstand bei einer Improvisationsübung. Maren (11) kommt schon seit sieben Jahren zu Petra Krüger: „Es ist hier viel lockerer als beim Ballett. Man muss nicht immer still und gerade in einer Reihe stehen.“

Informationen über Kurszeiten gibt es unter 0 22 04 / 5 55 94 oder im Internet.

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